Mahlzeiten sind ein Ausdruck des Ortes und der Zeit, in der wir leben. Kochen ist Kultur. Wenn wir „Die Küche der Armen“ lesen, lernen wir den ursprünglichen Wert von Lebensmitteln kennen, nämlich unser Überleben zu sichern. Aus den uns zur Verfügung stehenden Lebensmitteln müssen wir das bestmögliche – vor allem aber das nahrhafteste – Gericht zubereiten. Zudem sind Getreide und Hülsenfrüchte weltweit die wichtigste Lebensgrundlage für die Menschen. Doch diese Grundnahrungsmittel stehen nicht allen Menschen in ausreichendem Maße zur Verfügung. Kinder sind nach wie vor besonders stark von Armut und Hunger betroffen.
In diesem Buch, das erstmals in den 1970er Jahren erschien und nun neu aufgelegt wurde, beschäftigt sich die Autorin mit der Ernährung armer Menschen und der ungleichen Verteilung von Ressourcen in der Welt. Sie wirft einen Blick in die Töpfe der Ärmsten der Armen rund um den Globus. Unterernährung ist jedoch nicht immer allein auf das Ungleichgewicht in der Verteilung zurückzuführen, sondern manchmal auch auf den erntebedingten Wechsel von Überfluss und Mangel oder die falsche Zusammensetzung der Nahrung. Zudem spielen oft traditionelle Gewohnheiten, Vorurteile, Unwissenheit oder Ernährungstabus eine Rolle. So genießen beispielsweise Konservierungstechniken wie Fermentierung oder Säuerung nicht überall auf der Welt das volle Vertrauen.
Das soll keineswegs heißen, dass die Hungernden selbst schuld daran sind, wenn es an Nahrung mangelt; doch an vielen Orten der Welt ist Hunger das Ergebnis jahrhundertelanger Unwissenheit, die zur Verödung von Gebieten geführt hat, die einst als paradiesisch wie ein Garten Eden beschrieben wurden. Der Mensch schlachtet selbst das Huhn, das ihm goldene Eier legen könnte. In vielen Regionen mangelt es nicht nur an fruchtbarem Boden, sondern auch an ausgebildeten Landwirten. Ein Gleichgewicht zwischen arbeitenden und „passiven“ Mitgliedern ist in jeder Gesellschaft notwendig. Die Ersteren müssen jedoch nicht nur kompetent und gut ausgebildet sein, sondern auch belastbar und bei guter Gesundheit, um ihre Aufgaben erfüllen zu können.
Ganz gleich, zu welchem Himmel sie beten – die durchschnittliche Lebenserwartung der Entwurzelten, Geschundenen, Entblößten oder Zerlumpten dieser Welt beträgt 40 Jahre. Hunger ist ein uralter Begleiter der Menschheit; daher wird unser soziales Gewissen durch den Gedanken besänftigt, den Hunger der Armen gestillt zu haben. Es ist zweifellos ein vorrangiges Anliegen, dieses Grundbedürfnis zu befriedigen. Doch selbst wenn man glauben möchte, dass der Mangel damit gestillt ist, muss man zugeben, dass ein hungriger Mensch ohne eine sinnstiftende Weltanschauung oder Religion noch ärmer dran ist. Daher geht es nicht nur darum, die Mägen zu füllen, sondern auch um intellektuellen Austausch.
Das Buch, in dem wir nachlesen können, wie man eine köstliche Erdnusssuppe zubereitet, verweist auf die anhaltende Aktualität des Themas. Der Aufruf, „mehr pflanzlich zu essen“, fügt sich perfekt in die Debatten von heute ein. Eine ausgewogene und zugleich klimafreundliche Ernährung sollte kein Privileg der Reichen sein.
„Die Küche der Armen“ beschreibt die Kunst des einfachen Kochens anhand von 300 Rezepten aus aller Welt.
Erschienen im März Verlag, ISBN: 978-3-7550-0018-1
